• Eichelmann 2018: Hervorragendes Weingut
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Eichelmann 2018: Hervorragendes Weingut

November  2017 / 27 Kommentare deaktiviert

 Andrea und Albrecht Schwegler erzeugten 1990 ihre ersten Weine, ausschließlich Rotweine, seit dem Einstieg von Julia und Aaron Schwegler im Jahr 2009 wurde die Rebfläche vergrößert auf inzwischen 7 Hektar. Aaron Schwegler absolvierte eine Winzerlehre bei Bernhard Ellwanger und Joachim Heger, machte Praktika bei Daniel Gantenbein in der Schweiz und bei Jim Clendenen in Kalifornien, bei Seyfried in Neuseeland. Die Weinberge liegen in Korb und angrenzenden Gemeinden, Lagenbezeichnungen wurden bisher noch nie verwendet, alle Weine sind Cuvées verschiedener Lagen. Neue Weinberge werden mit einer Dichte von 7.500 bis 14.000 Reben je Hektar sehr dicht bepflanzt. Die Schweglers setzten beim Rotwein von Anfang an ganz auf Cuvées. Zweigelt ist die wichtigste Rebsorte, dazu gibt es Lemberger, Merlot und Trollinger, dann wurden auch etwas Syrah, Regent und Cabernet Franc angepflanzt. Sie verwenden ausschließlich französische Barriques, nur Allier- und Limousineiche. Die Weine werden zwei Jahre lang nach Rebsorten getrennt im Fass ausgebaut, sie bleiben bis sechs bis acht Wochen vor der Füllung im Barrique, dann erst werden die Cuvées zusammengestellt, abgefüllt wird ohne jede Filtration und ohne jede Schönung. Vier Weine gab es lange Zeit nur – und die auch nicht in jedem Jahr. Zunächst einmal in der Literflasche, „d‘r Oifache“, der meist einen größeren Anteil Trollinger enthält und Wein aus zwei aufeinander folgenden Jahrgängen und in dritt- bis fünftbelegten Barriques ausgebaut wird. Dann kommt der „Beryll“, der in zweitbelegten Barriques ausgebaut wird, anschließend der „Saphir“, der zu etwa zwei Dritteln in neuen, zu einem Drittel in zweitbelegten Barriques ausgebaut wird, und schließlich – aber wirklich nur in Spitzenjahren – der „Granat“, der es zu gewissem Kultstatus unter Weinliebhabern gebracht hat. 1990 gab es den ersten Granat, dann erst wieder 1993, 1994 und 1997. Danach alle zwei Jahre: 1999, 2001, 2003, seither immer außer 2008. Es gibt keine feste Regel, wie sich der Granat zusammensetzt, außer Trollinger hat jede Rebsorte die Chance Bestandteil des Granat zu werden, der Granat wird ausschließlich in neuen Barriques ausgebaut. Weißwein spielte lange Zeit überhaupt keine Rolle im Hause Schwegler, ab 2006 gab es dann ein paar Jahrgänge lang etwas Kerner, inzwischen gibt es den „Rock‘n Roll“, der im Jahrgang 2013 eine Cuvée aus jeweils zur Hälfte Riesling und Grauburgunder war, im Barrique ausgebaut. Mit dem Jahrgang 2015 wird es erstmals nach 2009 wieder reinsortigen Riesling aus dem Hause Schwegler geben, wir hatten im vergangenen Jahr die Gelegenheit zwei Partien, beide noch verschlossen, aus dem Fass zu verkosten.

Kollektion

Neben fünf Rotweinen stellte Aaron Schwegler einen Riesling vor, Origami White auf dem Etikett genannt, ohne Jahrgang. Er ist frisch und fruchtbetont, zeigt etwas Zitrus im Bouquet, ist lebhaft im Mund, geradlinig und frisch. D‘r Oifache im Liter darf natürlich in keinem Jahr fehlen, er ist fruchtbetont und frisch, zeigt rote Früchte, ist klar und zupackend im Mund bei feiner Frucht. Dann folgt das übliche Trio, so es denn erzeugt wird, mit Beryll, Saphir und Granat, alle aus dem Jahrgang 2014. Der Beryll ist fruchtbetont im Bouquet, zeigt etwas rauchige Noten, rote Früchte, ist klar im Mund, frisch und zupackend, besitzt gute Struktur und Frucht. Deutlich stoffiger und konzentrierter ist der Saphir, fruchtbetont und intensiv, zeigt rote Früchte im Bouquet, etwas Kirschen, ist klar im Mund, frisch und fruchtbetont, druckvoll und präzise, zupackend. Der 2014er Granat dann hat viel, sehr viel, von allem. Viel Holz, viel Konzentration, viel Tannine, eindringliche Gewürznoten, viel Kraft und Substanz, auch viel Alkohol. Nur momentan kommt das so gar nicht zusammen, bei aller Bewunderung für das Reifepotenzial des Weines – im vergangenen Jahr haben wir ausführlich darüber berichtet – bleiben doch Zweifel, ob das „Viel“ alles jemals zusammenkommt, sich integriert, harmonisch entwickelt. Dann kann auch der 2014er Granat groß werden, wie so viele seiner Vorgänger, wir würden uns freuen. Momentan aber würden wir uns ganz klar an den Saphir halten, dessen Präzision und Frische überzeugt. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze noch vom Solitär des Jahrgangs 2011. Schon im Bouquet zeigt er viel reife Frucht, überreife Noten, erinnert mehr an einen Amarone, denn an einen Rotwein aus dem Remstal. Er zeigt Gewürze, überreife Frucht, rote Früchte, ist enorm konzentriert dann auch im Mund, besitzt viel reife Frucht, Herzkirschen, eingelegte Früchte – wo soll das hinführen. Natürlich, der 2003er war ähnlich monströs, und hat sich gut entwickelt, davon konnten wir uns im vergangenen Jahr überzeugen. Aber ist dies prototypisch für Rotwein aus dem Remstal?

Weinbewertung / keine Preisangaben

85 Riesling trocken „Origami White“ 12 %

84 „dr‘Oifache“ Rotwein (1l) 12 %

87 2014 „Beryll“ Rotwein 13,5 %

89 2014 „Saphir“ Rotwein 14 %

90 2014 „Granat“ Rotwein 14,5 %

90 2011 „Solitär“ Rotwein 14,5 %