WeinWisser 10/2017: Württembergs Weinmythos: Albrecht Schweglers “Juwelen”

Januar  2018 / 3 Kommentare deaktiviert

ALBRECHT SCHWEGLER: GRANAT UND SOLITÄR

von Frank Kämmer MS

Württembergs Spitzenweine finden nur selten den Weg auf den internationalen Weinmarkt. Zu sehr werden sie von der kaufkräftigen lokalen Kundschaft rund um die Industriemetropole Stuttgart geschätzt und selbst getrunken. Doch selbst innerhalb des «Ländle» ist ein Wein, der von einem besonderen Mythos umgeben ist, nur sehr schwer zu finden. Der «Granat» aus der winzigen Boutique-Winery von Albrecht Schwegler ist seit zweieinhalb Jahrzehnten Württembergs bester, aber auch teuerster Rotwein. Der aus Zweigelt und wechselnden Anteilen weiterer Sorten wie Merlot, Cabernet Franc oder Lemberger bestehende Blend wird nur in besonders guten Jahren erzeugt. Und zwar in einer Mini-Auflage von rund 2000 Flaschen. Aus den Ausnahmejahrgängen 1999 und 2003 wurde jeweils eine extrem rare Riserva-Version mit sechsjähriger (!) Barrique-Lagerzeit unter dem Namen «Solitär» erzeugt. Unser Autor Frank Kämmer, Master Sommelier, hat alle bisherigen Weine verkostet und für den WEINWISSER beschrieben.

 

2012 Granat: Wunderbar dichte und präsente Nase, dabei aber durchaus transparent aufgefächert. Anklänge von Wildkirschen werden mit feiner Kräuterwürze und Pfeffer bereichert, dazu tolles, sehr gut eingebundenes Holz. Hochfeiner Tanninteppich hüllt den Fruchtkörper am Gaumen ein, herrliches Waldbeer- und Kirschkompott im delikaten, hochfeinen und doch reichen Nachhall. So komplett! 18+/20 –2028

 

2011 Granat: Warme, dicht verwobene Frucht, geradezu mediterrane Art, deutliche Holzwürze. Aroma von Preiselbeerkompott am Gaumen, feines Feuer, lebhaftes Säurespiel im langen Nachhall, markant-südländischer Charakter. Noch sehr jugendlich. 17.5/20 2018 – 2027

 

2010 Granat: Würzige Waldbeerfrucht mit markanter Kräuterwürze und charaktervollen Lohenoten im Bukett. Wunderbar transparent aufgefächert am Gaumen, hoch feines Säurespiel und spürbare Mineralität. Nobler Biss, eher im Médoc-Stil gehalten mit schlanker, aristokratischer Eleganz. Tolles Potential, aber noch recht unentwickelt, braucht Zeit zum Reifen. 18/20 –2026

 

2009 Granat: Dunkle Wildpflaumen, Veilchen, dunkle Waldbeeren und subtile Vanillenoten im Duft. Reiche Saftigkeit und samtig-dichter Tanninflor am Gaumen, wunderbar reich und mit feinem Feuer, ohne dabei aber überladen zu sein. Sehr, sehr beeindruckend, eher im Neue-Welt-Stil, mächtig, aber mit subtiler Frische im Finish. 18/20 –2025

 

2007 Granat: Weit und reif in der Frucht nach Süsskirschkompott und mit präsenter Vanillenote. Nicht ganz so dicht verwoben, aber sehr einladend und verführerisch. Sehr gutes, fein eingebundenes Tannin. Vollfruchtiger Nachhall. Hat Charme. 17.5/20 –2022

 

2006 Granat: Feiner, transparenter Duft, subtil, hochkomplex, aber nicht aufdringlich, ganz noble und feine Gewürznoten. Tolle Balance und Frische. Vitale Frucht, schwebender Körper, dicht verwoben, langer Nachhall, ohne jegliche Schwere, unaufgeregte Grösse. 17+/20 –2022

 

2005 Granat: Charaktervolle Nase nach herber Beerenfrucht, Leder und einem animalischen Anflug. Saftige Ansprache, toll strukturierendes Tannin, die Frucht wird zum Finish hin reifer und wärmer, mit subtiler Minznote, viel Druck und Kraft im Nachhall. 17/20 –2021

 

2004 Granat: Reiferer und wärmerer Duft nach Kompott von roten Pflaumen, dezent rauchig unterlegt, dazu Anklänge von Piment und Lorbeer. Schlankere Art am Gaumen, aber mit markanter Struktur und Säure, viel Charakter. Erinnert im Stil an «Old-School»-Bordeaux. 16.5/20 –2019

 

2003 Granat: Unglaublich dichte und jugendliche Farbe. Konzentrierte Nase nach Kirschkonfitüre, Johannisbeergelee, Lorbeer, schwarzem Trüffel und dunkler Schokolade. Anflug von flüchtiger Säure. Wuchtige Ansprache, dann aber auch gute Struktur. Immense Kraft, aber das Gerüst scheint die Fülle noch tragen zu können. «Barossa Valley» im Duft, «Masseto» im Geschmack. 17/20 – 2019

 

2003 Solitär: Wow! Immens ausdrucksvolles Bukett nach Cassis, Schwarzkirschkompott und Minze. Immer noch junge Frucht mit balsamischer Frische. Sehr saftig und dicht in der Ansprache, aber ungemein geschliffen und mit tollem Tannin im Körper. Immenses Potential, alles ist da, aber immer noch nicht ganz entwickelt, immenser Druck am Gaumen, was für ein«Monster» (im besten Sinne!), extreme Länge, grossartige Persönlichkeit. Perfekter Riserva-Stil, überwältigend, aber immer noch so jung. Ganz klar grösster Rotwein Württembergs bisher. 18.5/20 –2024

 

2001 Granat: Delikater Cassis-Duft. Grossartige Struktur und Balance, hochkomplex und dicht verwoben, strahlende Präsenz und zusätzlich hochelegante Gewürznoten am Gaumen. Ideales Gewicht. Tolle Frische im sehr langen, schillernden Finish, jetzt in absolut perfektem Zustand! Grossartiger Wein, «Napa Valley at it’s best!» 18/20 –2019

 

1999 Granat: Tolle, vielschichtige Nase, hochsubtile Würze, aristokratische Art. Nicht aufdringlich, aber dennoch fest am Gaumen, ungemein rund und ausgewogen, sehr seidige Textur, filigrane Säureadern, elegante, geradezu feminine Art. Jetzt auf dem Reifeplateau. 17.5/20 –2018

 

1999 Solitär: Sehr konzentriertes Brombeer- Bukett mit charaktervoller Kräuterfrische und tiefen, herben Anklängen von Lorbeer, schwarzem Pfeffer und Leder, dazu animalische und balsamische Noten. Reich und vollfruchtig am Gaumen, aber transparent und mit toller Struktur im Finish. Grossartige Persönlichkeit. Überragende Präsenz, sehr beindruckend. «Ein Wein wie Sean Connery» 18/20 –2021

 

1997 Granat: Etwas offener im Duft, feinsaftige und einladende Reife. Seidig, geschliffen und ungemein charmant, Süsskirschkompott mit Gewürznoten im Aroma, komplett integriertes Säurenetz, runder, harmonischer Nachhall. Nicht allzu komplex, aber fein. 17/20 –2018

 

1994 Granat: Duftig-florale Cassis- Frucht, angenehme Würze sorgt für zusätzliche Dimension. Tolle Frische! Blitzende, aber perfekt integrierte Säureadern, tolle Balance und Vitalität, transparent aufgefächerte Frucht, ohne jegliche Müdigkeit. Pinot-haft tänzerische Finesse im Aufbau. 18/20 –2018

 

1993 Granat: Rauchig-reife Nase nach Wildzwetschgen und Schlehenlikör. Unglaublich frische Struktur, immer noch festes Rückgrat, toller Nerv. 17/20 –2018

 

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